Da machst du es dir aber leicht…
Können wir mal darüber sprechen wie schwer es manchmal ist, den ‚einfachen Weg‘ zu gehen?!
Also, z.B. die Entscheidung zu treffen, dass bestimmte Menschen nicht mehr in dein Leben gehören. Auch dann nicht, wenn die Gesellschaft der Auffassung ist ‚das kannst du nicht tun, weil…‘
Besonders in Bezug auf die Familie begegnen uns solche Aussagen häufig.
„Die Eltern haben es nicht leicht. Beide schwere Alkoholiker. Aber die Kinder, ich versteh das nicht, keins kümmert sich.“
Nunja.. richtig. Du verstehst das nicht. Du weißt nicht wie die Kinder aufgewachsen sind. Mit welchen Glaubenssätzen und Themen sie zu kämpfen haben. Welche Wunden sie davon getragen haben. Wie lange es gedauert hat diese zu heilen oder vllt tut es die eine oder andere ja noch.
Es endet mit uns…
Lange Zeit war ich der Meinung, dass wir unseren Eltern gegenüber eine Art „Vertrag“ ableisten müssen. Weil sie eben unsere Eltern sind, sind wir dazu verpflichtet für sie da zu sein.
Doch vielleicht dürfen wir uns genau davon verabschieden. Vielleicht dürfen wir die Entscheidung treffen für uns selbst einzustehen. Nicht, weil wir uns nicht kümmern wollen oder weil das nicht in unser Leben passt. Sondern deshalb, weil wir uns selbst schützen müssen. Deshalb, weil irgendetwas in uns nicht noch mehr Verletzungen ertragen kann. Deshalb, weil unsere Wunden heilen müssen. Für uns und für die Generation nach uns. Und weil Wunden nicht heilen, wenn die Narben immer wieder aufgerissen werden.
Vergebung
Und das hat nichts mit fehlendem Verständnis oder Groll hegen zu tun.
Ich muss sagen, mittlerweile hinterfragen ich den Blogbeitrag zu meinem Vater. Deshalb, weil ich eigtl. nicht gerne mit Diagnosen um mich werfe. Weil sie ein Stempel sind, der viel Verständnis aber wenig Vergebung erlaubt.
Mittlerweile sehe ich seine Verletzungen und verstehe. Ich entschuldige nichts, aber ich weiß er war auf seine Art und Weise der beste Vater, der er sein konnte. Und deshalb habe ich ihm vergeben.
Dennoch gebe ich ihm nicht mehr die Möglichkeit weitere Verletzungen hinzuzufügen. Diese Entscheidung habe ich aus Selbstliebe getroffen. Nicht, weil sie mir leicht gefallen ist. Nicht, weil sie akzeptiert wird. Nicht, weil ich keine Lust habe mich um ihn zu kümmern.
Sondern, weil ich entschieden habe, dass ICH mir wichtiger bin als ER.
Und vllt ist es gerade das.
Denn ich kenne es auch auf der anderen Seite zu stehen. In anderem Kontext und mit anderen Hintergründen. Aber ich kenne dieses Gefühl der Traurigkeit, der Wut, der Machtlosigkeit und Hilflosigkeit, wenn die Verbindung zu einem Menschen zerbricht. Und aus deiner Perspektive wäre es so einfach zu lösen, so leicht zu verändern.
Aber die andere Person wählt SICH, weil die Differenzen für sie unlösbar erscheinen.
Vllt ist gerade das die höchste Form der Liebe. Deine Gefühle, deinen Schmerz zu akzeptieren und TROTZDEM im Außen nichts zu verändern, nicht mit aller Macht daran ziehen zu wollen.
Zu akzeptieren, dass die andere Person in ihrem besten Wissen und Gewissen handelt. Basierend auf allem, was sie bisher erlebt hat und was sie geprägt hat. Weil du es nicht weißt. Selbst, wenn sie es dir ihre Wunden erzählt hat, weißt du nicht wie sehr sie noch schmerzen. Und du weißt auch nicht, was nötig ist sie zu heilen.
Und gleichzeitig liegt der Schlüssel darin dir selbst zu vergeben für die Fehler, die du gemacht hast. Weil du eben ein Mensch bist.
Denn Liebe bedeutet nicht immer einer Meinung zu sein, sondern jmd anzunehmen genau so wie er ist. Auch dich selbst!