Liebe regelt

Alte Wunden

Liebe ist immer die Antwort. Die Frage ist egal.

Inhaltsverzeichnis

Über manifestierte Glaubenssätze und eine verkorkste Vater-Tochter-Beziehung

 

Mein Vater ist ein Narzisst. Unter anderem. Ich habe lange gebraucht, um das einordnen zu können. Um das zu verstehen, sein Verhalten als Krankheit zu werten. Ich habe lange gebraucht, um mich von ihm zu lösen. Lange, um nicht mehr die Schuld bei mir zu suchen. Lange, um nicht das zu glauben, was er mir versucht hat als die Wahrheit zu verkaufen. Schlussendlich habe ich den Kontakt komplett abgebrochen. Ich bin in Trennung gegangen, um mich zu beschützen. Das zu tun war ein jahrelanger Kampf gegen mein Gewissen und gegen die gesellschaftlichen Regeln. Schlussendlich habe ich mich für mich entschieden. Ich habe entschieden, dass keine Krankheit, kein Kindheitstrauma und kein Problem jemanden dazu berechtigt einen anderen Menschen zu verletzen. Und ich habe entschieden, ihm diese Macht zu entziehen. Und trotzdem holen mich manchmal die Gedanken ein, auch heute noch… „Du bist nicht gut genug, egal wie hart du arbeitest“, „Du wirst nicht um deiner selbst willen geliebt, sondern nur dafür was du tust“, „Du wirst keinen Mann finden, der dich bedingungslos liebt, denn du bist nicht liebenswert“ und „Wenn du nicht so bist wie ich dich gerne hätte, wirst du abgelehnt“

Anfang des Jahres hatte mein Vater einen Schlaganfall… Und mit dem Mitgefühl kamen diese Gedanken wieder zurück… und die Erleuchtungen. Er ist krank. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Das ist der Ist-Zustand. Seine bedingungslose Liebe ist und war immer unerreichbar. Denn er weiß nicht, wie das geht. Das ist der Grund für meine Entscheidung zu gehen und wegzubleiben. Denn das Einzige, das man ändern kann, liegt in einem selbst. Und ich habs umgewandelt in „Liebe regelt“ und Selbstreflexion, immer und immer wieder. Damit ich meine „alten Wunden“ nicht weitergebe an meine Tochter, so wie´s er getan hat, ohne es absichtlich zu tun. Und damit ich lerne mit meinen „alten Wunden“ umzugehen, um sie nicht in „Neue Beziehungen“ zu tragen. Das gelingt mir mal mehr mal weniger. Je größer die Trigger, je stärker die Angst, desto weniger.

Der Anfang von allem ist zu erkennen. Dann folgt das Verstehen und dann die Veränderung. So hab ich auch erkannt warum ich so selten meine Türen öffne. Menschen erzählen mir ihr Leben und ich gebe so gut wie nie etwas Preis. Doch warum ist das so?! Zum einen, weil ich gelernt hab, dass dein Herz bricht, sobald du vertraust. Immer und immer wieder. Durch Worte, durch fehlendes Interesse und Verständnis und durch fehlende Bedingungslosigkeit. Wegen der Person, die eigentlich die Verpflichtung hat auf dein Herz aufzupassen. Zum anderen hab ich wohl die Strategie meiner Mutter kopiert. „Tür zu = Kein Schmerz“. Ich denke, ich sollte auch mal über Narzissmus schreiben und darüber, wie er Menschen zerstört und deren Fähigkeit zu vertrauen und zu lieben. Denn es ist so, dass es durch diese Erfahrung passieren kann, dass du dir einen Schutzwall aufbaust. Dass jedes kleine Anzeichen, dich plötzlich in Panik versetzt und du dich lieber zurückziehst, aus Angst wieder verletzt zu werden. Und mit Rückzug meine ich nicht unbedingt körperlichen Rückzug, sondern eher seelischen. Den, der das Herz verschließt und dich nicht mehr nachvollziehbar macht, weil du nicht mehr offen und transparent kommunizierst, was in dir vorgeht und was dich bewegt. Und irgendwann, wenn du dir das nicht bewusst machst, ist dein Wall so groß, dass niemand mehr dahinter schauen kann. Und du sitzt dort mit deinem verschlossenen Herz und bist tatsächlich, im wahrsten Sinne des Wortes, allein und einsam.

Die Erkenntnis hinter allein und einsam

 

Ein Freund sagte einmal zu mir: „Allein sein ist sch***.“ – Und ich hab abgenickt, ohne groß darüber nachzudenken. Aber das stimmt tatsächlich so garnicht. Nicht das Allein-Sein ist sch***, sondern die Einsamkeit. Das ist ein großer Unterschied. Du kannst nämlich allein sein, aber nicht einsam. Und du kannst einsam sein, aber nicht allein. In den letzten Monaten meiner Beziehung habe ich mich einsam gefühlt. Allein war ich nie. Jetzt bin ich oft allein, aber ganz selten einsam.

An manchen Tagen bin ich ganz allein mit mir. Weil wir manchmal allein sein müssen. Ohne die Energie von anderen, spüren wir unsere eigene nochmal viel intensiver. Wir hören unsere eigenen Gedanken lauter und können uns wirklich mit dem beschäftigen, was in uns vorgeht. Ohne Ablenkung nehmen wir uns selbst wahr und bleiben ganz bei unserem eigenen Sein. Dadurch werden tiefe Einblicke in unsere Seele möglich. Wir lernen uns selbst besser kennen und lieben. Allein-sein gibt uns die Möglichkeit uns selbst zu reflektieren. Die Frage ist… Sind Erleuchtungen überhaupt möglich, wenn wir uns nie über uns selbst Gedanken machen?! Sind wir in der Lage sozial zu interagieren, zuzuhören, andere emotional aufzufangen, wenn wir nie für uns selbst das Selbe tun?! Und die Frage ist auch… Können wir überhaupt durch schwierige Phasen in unserem Leben gehen, wenn wir uns immer ablenken?! Wenn wir uns immer mit der Energie von anderen umgeben und sei sie noch so gut. Oder ist das nur ein Versuch vor den eigenen Gefühlen davonzulaufen?! Vielleicht ist der Schlüssel dafür, andere voll und ganz annehmen zu können und für sie da zu sein, erst einmal für uns selbst da zu sein. Uns mit unseren Themen zu beschäftigen. Uns selbst ganz genau zu kennen. Unser eigener Hafen zu sein. Und dann die Tür aufzumachen für andere und uns voll und ganz einzulassen.

Und so findest du die Menschen, bei denen du das Gefühl hast du kennst sie schon ein Leben lang. Die, bei denen Einsamkeit ein Fremdwort ist. Denen du die Macht gibst dich zu verletzen und das Vertrauen, dass sie es nicht tun werden. Weil dein Schmerz ihrer ist und sie deine Tränen mit dir weinen. Die, mit denen du dich auch nicht einsam fühlst, wenn du allein bist. Nur deshalb, weil du weißt du hast sie in deinem Leben. Und jeder Mensch in deinem Leben bringt dich weiter und lässt dich wachsen. Dann, wenn du Erkenntnisse und Weiterentwicklung zulässt. Und dann kannst du auch irgendwann dankbar sein für Enttäuschungen und Schmerz, denn auch sie bringen dich weiter. Dann, wenn du dich dafür entscheidest. Und manchmal hast du das große Glück und es kommen Menschen in dein Leben, die dich beim Erleuchten unterstützen. Und die dir dadurch, ohne es zu wissen, beim Heilen helfen. So zumindest meine Erfahrung…

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