Co-Abhängigkeit
Die Liebe zu unseren Eltern ist bedingungslos und sie ist geprägt von Abhängigkeit. Als Babys und Kinder sind wir abhängig davon, dass unsere Eltern unsere Grundbedürfnisse erfüllen. Wir sind abhängig davon, dass sie uns zurück lieben. Anfangs fühlen wir keine Trennung, es gibt keine Unterscheidung zwischen „ihnen“ und „uns“. Wir fühlen kein „ICH“, wir sind eins. Und irgendwann fühlen wir uns selbst. Und wir beginnen damit für jede ihrer Verhaltensweisen die „Schuld“ bei uns zu suchen. In dieser Co-Abhängigkeit entstehen Glaubenssätze, die wir oft bis ins Erwachsenenalter mit uns tragen. Und gleichzeitig übernehmen wir die Reaktionsmuster unserer Eltern. Denn unsere Eltern sind in unseren Augen unfehlbar. Ihre Reaktionen und Verhaltensweisen müssen quasi richtig sein. Also tun wir das, was sie tun.
Und dann werden wir erwachsen und handeln danach. Selbst, wenn wir uns noch so sehr vornehmen nicht wie unsere Eltern zu werden. Wir handeln unbewusst sehr oft wie sie, besonders in Bezug auf unsere Partnerschaft und unsere eigenen Kinder.
Andere Zeiten
Die Sache ist nur: Die ZEITEN ändern sich. Wer sich mit der Metaphysik beschäftigt, weiß das sowieso. Doch auch ohne weitreichende Kenntnisse darüber ist die Veränderung der Welt deutlich spürbar. Und das ist der Grund warum so einige Ansichten, Verhaltensweisen und Reaktionsmuster einfach nicht mehr passend sind. Für uns. Für diese Zeit. Für dieses Leben. Ja, selbst ihre Sicht auf die Welt fühlt sich nicht mehr passend an.
Und hier liegt der Schlüssel. Wir dürfen unser Leben anders leben, als es unsere Eltern getan haben. Wir dürfen und müssen uns sogar selbst hinterfragen. Wir dürfen reflektieren was wirklich UNSERES ist und wo bzw. wann wir die Reaktionsmuster unserer Eltern nutzen. Und, ob diese überhaupt zu uns passen. Wir dürfen Liebe neu denken, Beziehung neu denken und neu gestalten. Wir dürfen mit unseren Kindern anders umgehen, als unsere Eltern mit uns. Doch, um das zu können, um umzudenken, müssen wir erst einmal verstehen. In erster Linie uns selbst, aber auch die Generation vor uns.
Was sind eigtl. Reaktionsmuster?
Doch was sind eigentlich Reaktionsmuster?!
Sicher hast du schon einmal folgenden Satz gehört: „Du redest/handelst gerade wie meine/deine Mutter, wie mein/dein Vater.“ Im ersten Moment fühlen wir uns durch eine derartige Aussage vielleicht vor den Kopf gestoßen, vielleicht sogar gekränkt, besonders, wenn wir kein gutes Verhältnis zu unseren Eltern haben. Haben wir ein gutes Verhältnis zu unseren Eltern fühlen wir uns vielleicht stolz, vielleicht aber auch ein wenig wütend, weil wir nicht verglichen werden wollen.
Ich zum Beispiel „weiß gern mal alles besser“ und zwar ganz besonders dann, wenn ich unsicher bin. Und manchmal brauchts da Menschen, die mir ganz offen den Spiegel vor die Nase halten. Denn eigentlich nervt mich dieses Verhalten selber total.
Wie auch immer… Menschen, die uns das so ehrlich spiegeln, sind gold wert. Denn wie oft sehen wir selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht?! Und nur, wenn uns der Spiegel vorgehalten wird, erkennen wir und können somit verstehen, reflektieren und verändern was nicht mehr passend ist. Wir können UNS SELBST FINDEN, um genau zu sein.
Denn in 99% der Fällen, in denen wir einen derartigen Satz hören, handelt es sich um übernommene Verhaltensweisen/Reaktionen unserer Eltern. Und in den meisten Fällen sind es genau diese Verhaltensweisen, die andere Menschen triggern. Weil auch sie eben ihren Koffer an Erfahrungen mit sich herumtragen.
Also freu dich, wenn du Menschen in deinem Leben hast, die dir ganz unverblümt die Wahrheit spiegeln. Denn nur so wächst du!